Aktuelles
Erfolgreicher Auftritt des Mutterkuhhalter NRW e. V. auf der Grünen Woche 2025
Die Internationale Grüne Woche 2025, die vom 17. bis 26. Januar in Berlin stattfand, war ein voller Erfolg. Mit rund 1.500 Ausstellern aus fast 60 Ländern und etwa 310.000 Besuchern bot die Messe eine vielfältige Plattform für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau.
Der Mutterkuhhalter NRW e. V. war zum zweiten Mal auf der Grünen Woche vertreten. An zehn Messetagen informierten insgesamt 19 Mitgliedsbetriebe die Besucher über die Besonderheiten der Mutterkuhhaltung in Nordrhein-Westfalen.
In einem Interview mit Thomas Michaelis betonten die Vorsitzenden des Mutterkuhhalter NRW e. V., Bettina Hörstmeier und Thomas Wiese, die Bedeutung der Grünen Woche als Plattform für den Austausch mit Verbrauchern und Fachkollegen. Sie hoben hervor, wie wichtig es sei, die Öffentlichkeit über die Vorteile der Mutterkuhhaltung für Tierwohl, Naturschutz und die Erzeugung hochwertiger Fleischprodukte zu informieren. Das ganze Interview finden Sie hier:
https://youtu.be/VUbCt2v1sM4?si=ZrVrp4ZE5381gaAj
Hier einige Kernaussagen aus dem Interview:
Mutterkuhhaltung in Nordrhein-Westfalen – Ein wertvoller Beitrag zur Landschaft, Biodiversität und Gesellschaft
In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 6.000 Mutterkuhhalter mit insgesamt rund 60.000 Mutterkühen. Die Struktur der Betriebe reicht von kleineren Nebenerwerbsbetrieben bis hin zu größeren Haupterwerbsbetrieben. Diese Vielfalt spiegelt die abwechslungsreiche Landschaft des Bundeslandes wider. Doch was genau ist eigentlich Mutterkuhhaltung?
Mutterkuhhaltung – Natürliche Aufzucht mit Fleischrindern
Die Mutterkuhhaltung unterscheidet sich von der Milchviehhaltung grundlegend: Es werden speziell auf Fleischleistung gezüchtete Rassen gehalten, wie beispielsweise Angus, Charolais oder Limousin. Die Kühe produzieren Milch ausschließlich für ihr eigenes Kalb, das sie etwa sieben bis neun Monate lang intensiv betreuen. Dieses natürliche Aufwachsen im Herdenverband fördert eine besonders artgerechte und gesunde Entwicklung der Kälber.
Ein zentrales Element der Mutterkuhhaltung ist die Weidehaltung, die in den wärmeren Monaten und bei robusten Rassen sogar ganzjährig erfolgen kann. Gerade in extensiven Regionen, die sich für eine maschinelle Nutzung weniger eignen, ist die Mutterkuhhaltung eine optimale Bewirtschaftungsform.
Mutterkuhhaltung und Landschaftspflege – Ein Beitrag zur Biodiversität
Ein besonderer Aspekt dieser Haltungsform ist ihr Beitrag zur Artenvielfalt und Landschaftspflege. Mutterkuhherden prägen die Grünlandregionen, die ansonsten oft verbuschen oder sogar zu Waldflächen werden würden. Das offene Grünland hingegen ist ein Hotspot der Biodiversität, der zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet.
Ein Beispiel ist die sogenannte Standweide, bei der die Herde über längere Zeit auf einer Fläche verbleibt. Dadurch entstehen vielfältige Strukturen, wie Trittspuren, Geilstellen oder Wuchsinseln, die eine hohe ökologische Wertigkeit haben. Diese unregelmäßigen Strukturen fördern das Wachstum einer großen Vielfalt an Pflanzen und locken damit auch Insekten, Vögel und andere Tiere an.
Klimaschutz durch Grünlandbewirtschaftung
Ein oft unterschätzter Vorteil der Mutterkuhhaltung ist ihre Bedeutung für den Klimaschutz. Dauergrünland bindet große Mengen an CO₂ im Boden und trägt damit aktiv zur Reduktion der Treibhausgase bei. Untersuchungen zeigen, dass humusreiche Grünlandböden mehr CO₂ speichern als Waldböden. Zudem wird durch die Beweidung verhindert, dass wertvolles Offenland zu monotonen Gehölzlandschaften wird, in denen viele Arten keinen Lebensraum mehr finden.
Gesellschaftliche Bedeutung der Mutterkuhhaltung
Mutterkuhhalter leisten also nicht nur einen Beitrag zur nachhaltigen Fleischproduktion, sondern übernehmen auch eine zentrale Aufgabe in der Landschaftspflege und im Artenschutz. Die Bewirtschaftung von Trogtälern, Hanglagen und Feuchtgebieten wäre ohne Mutterkuhhaltung kaum möglich. Dabei wird oft übersehen, dass 85 % der pflanzlichen Biomasse nur durch Wiederkäuer für den Menschen nutzbar gemacht werden kann.
Dieser gesellschaftliche Wert wird in politischen Debatten oft zu wenig anerkannt. Die Mutterkuhhaltung ist eine tragende Säule für den Erhalt artenreicher Kulturlandschaften in NRW, trägt zur Insektenvielfalt bei und unterstützt den Klimaschutz durch nachhaltige Bewirtschaftung.
Fazit
Die Mutterkuhhaltung in Nordrhein-Westfalen ist weit mehr als nur eine Form der Rinderhaltung – sie ist ein essenzieller Bestandteil einer nachhaltigen, biodiversitätsfördernden Landwirtschaft. Sie trägt dazu bei, dass das Grünland als wertvoller Lebensraum erhalten bleibt, sorgt für gesunde und artgerecht aufgezogene Tiere und ist ein unverzichtbarer Teil der regionalen Kulturlandschaft.
Auf der Grünen Woche wurde deutlich, dass Mutterkuhhalter nicht nur Tierhalter sind, sondern auch Landschaftspfleger, Biodiversitätsförderer und Klimaschützer – eine Leistung, die gesamtgesellschaftlich mehr Anerkennung verdient.
Dieses Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW.
Fotos: Ministerin Silke Gorißen mit Mutterkuhhaltern aus NRW auf der Grünen Woche 2025; Thomas Wiese und Bettina Hörstmeier, beide Vorsitzende des Mutterkuhhalter NRW e. V., im Interview mit Thomas Michaelis
Bildnachweis: Kevin Fuchs, MLV NRW; Birgit Clausen, b4c-Werbeagentur